NinA NRW ist eine zivilgesellschaftliche Ausstiegs- und Distanzierungsberatungstelle im Kontext Rechtsextremismus. Sie machen sozialpädagogische Einzelfallhilfe und unterstützen bei unterschiedlichen Schwierigkeiten bei Ausstiegsprozessen. Ihre Ausstiegsberatung richtet sich primär an Personen mit extrem rechten Einstellungen. Manche haben eine Anbindung an Strukturen oder Gruppierungen, andere nicht.

Wie kann ich als Familienmitglied oder Menschen aus dem sozialen Umfeld eines verschwörungsgläubigen und vielleicht auch rechtsextrem eingestellten Menschen zu NinA NRW in die Beratung kommen?

Das ist tatsächlich unterschiedlich. Der häufigste Fall ist, dass Angehörige in ihrem sozialen Umfeld über längere Zeit wahrgenommen haben, dass sich eine Person verändert. Zu Beginn hat das vielleicht irritiert. Sie haben sich Sorgen gemacht und es trotzdem erst einmal so laufen lassen, bis ganz offensichtlich wurde, was gerade mit diesem Menschen passiert.

Erst dann beginnt die Suche nach Unterstützung. Bis dahin gab es oft schon lange Wege mit Versuchen, Gespräche zu führen – und mit Scheitern. Häufig leidet die Beziehung sehr darunter und die Situation wird zunehmend belastend. In diesen Momenten beginnen Angehörige oft mit Internetrecherchen, nachdem sie vielleicht auch schon im Umfeld darüber gesprochen haben. So landen sie beispielsweise bei uns oder bei anderen Beratungsstellen.

Komme ich allein in die Beratung? Können andere Menschen mitkommen?

Auch das ist unterschiedlich möglich. Wichtig ist dabei immer, dass wir mit dem Fokus auf eine Person beraten. 

Was wir in der Regel nicht machen, ist, eine ausstiegswillige Person gemeinsam mit Angehörigen zu beraten. Individuell kann es sinnvoll sein, ein Erstgespräch gemeinsam mit Angehörigen durchzuführen, etwa wenn es um Fragen von Sicherheit geht. Das ist also nicht ausgeschlossen, aber üblicherweise nicht sinnvoll.

Angehörige kommen ebenfalls meist einzeln. Esmelden sich aber teilweise auch mehrere Geschwister oder beispielsweise Mutter und Tochter, die sich um einen Sohn, Bruder oder jemand anders aus der Familie Gedanken machen. Auch das kann unterschiedlich sein. Wichtig ist dabei immer, dass wir mit dem Fokus auf eine Person beraten, auch wenn sie gemeinsam kommen.

Was passiert mit verschwörungsgläubigen und vielleicht auch rechtsextrem Menschen, die nicht bei NinA NRW oder einer anderen Ausstiegs- und Distanzierungsberatungsstelle ankommen?

Das ist eine wichtige Frage. Um die zu beantworten, sollten wir zunächst schauen, wer überhaupt bei uns in der Ausstiegs- und Distanzierungsberatung ankommt. Unsere Beratungsnehmenden bilden nicht die Gesamtgesellschaft ab. Häufig findet bereits vor dem Kontakt mit uns eine gewisse Selektion statt: Häufiger finden Menschen zu uns, welche Schwierigkeiten in ihrem sozialen oder beruflichen Umfeld erleben. Zum Beispiel Kontaktabbrüche, eine Kündigung oder eine Strafanzeige. Menschen mit guten beruflichen, sozialen und persönlichen Ressourcen nutzen die Beratung möglicherweise weniger als andere, da für sie keine „Notwendigkeit“ besteht demokratie- und menschenfeindliche Einstellungen zu reflektieren. 

Ausstiegswillige melden sich, wenn sie einen gewissen Veränderungsdruck spüren. Zum Beispiel, weil ihr soziales Umfeld sagt: „Hier muss etwas passieren. So funktioniert es zwischen uns nicht mehr“. Manchmal sind auch Fachkräfte, mit denen sie bereits zusammenarbeiten, sensibel und wirken darauf hin, dass sie sich bei uns melden. Deswegen ist es wichtig, dass Fachkräfte aufmerksam sind und auf Stellen wie NinA NRW hinweisen.

Je nachdem, was bei einem Menschen mit Beratungswunsch im Vordergrund steht, können auch andere Beratungsstellen passende erste Anlaufstellen sein, etwa die Sekteninfo. Diese Stellen werden häufig zunächst kontaktiert und verweisen dann gegebenenfalls an uns weiter, wenn sich zeigt, dass auch extrem rechte Ideologien eine wichtige Rolle spielen.