Glossar
Antifeminismus
Antifeminismus bezeichnet eine Weltanschauung und politische Haltung, die sich grundsätzlich gegen feministische Anliegen, Gleichstellung und geschlechtergerechte Politik richtet. Menschen oder Gruppen mit antifeministischen Überzeugungen lehnen häufig gleiche Rechte für Frauen, sexuelle Vielfalt sowie Selbstbestimmung über den eigenen Körper ab. Antifeminismus vermischt sich oft mit konservativen oder reaktionären Einstellungen und kann dazu beitragen, traditionelle, binäre Geschlechterrollen (Mann vs. Frau) zu idealisieren und die individuelle Selbstbestimmung über soziales und biologisches Geschlecht einzuschränken.
Ein Beispiel aus dem evangelikalen Radikalismus: Die Modemarke „Proclaim365“ nutzt antifeministische Ideale und Verschwörungserzählungen, die mit popkulturellen Elementen kombiniert werden, um Reproduktionsrechte anzugreifen. Dabei werden auch kryptische Bibelverse verwendet, um ihre Botschaften zu untermauern.
Antigenderbewegung
Die Antigenderbewegung ist eine transnationale politische Bewegung, die Konzepte wie „Gender“ – also das soziale Geschlecht, das gesellschaftlich vorschreibt, welche Verhaltensweisen als „typisch“ für Männer oder Frauen gelten – ablehnt. Sie betrachtet Errungenschaften in den Bereichen Gleichstellung, sexuelle Vielfalt und Geschlechterforschung (Genderstudies) als Bedrohung traditioneller Werte und richtet sich gegen die Rechte von LGBTQI+-Personen, reproduktive Selbstbestimmung sowie geschlechterdemokratische Bildung. Der Begriff „Gender“ wird dabei oft bewusst negativ besetzt und als vermeintliche „Ideologie“ dargestellt, um progressive soziale Veränderungen zu kritisieren.
Antisemitismus
Antisemitismus ist Hass oder Feindseligkeit gegenüber jüdischen Menschen. Er hat viele Erscheinungsformen und eine lange Geschichte. Antisemitismus kann offen auftreten, etwa durch Beleidigungen, Drohungen oder körperliche Gewalt. Er kann sich aber auch versteckt zeigen, etwa durch Vorurteile, Codes, Bilder oder Symbole.
Antisemitismus ist zudem ein Welterklärungsmuster: In vereinfachenden Erzählungen werden jüdischen Menschen negative Ereignisse zugeschrieben und sie dafür verantwortlich gemacht. Oft werden sie als „die da oben“ bezeichnet oder als heimliche Drahtzieher dargestellt – etwa durch die Antisemitische Vorstellung, jüdische Menschen würden im Hintergrund die Fäden ziehen und die Welt kontrollieren. Der Begriff Antisemitismus entstand im 19. Jahrhundert und knüpfte an die Vorstellung angeblicher „Menschenrassen“ an. Diese Rassenlehre ist wissenschaftlich widerlegt und gilt als erfundenes Konstrukt, das auch zur Begründung von Rassismus diente.
Desinformation
Desinformation ist gezielt verbreitete Falschinformation. Sie enthält falsche, verzerrte oder manipulativ dargestellte Inhalte. Im Mittelpunkt steht die Absicht Menschen zu täuschen, zu verunsichern oder in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen. Desinformation entsteht daher nicht zufällig, sondern ist Teil einer bewussten Strategie.
Zu Basiswissen
Diskriminierung
Diskriminierung entsteht durch Vorurteile. Menschen werden zu „anderen“ gemacht und aufgrund von Merkmalen wie Religion oder Herkunft abgewertet und einer vermeintlich homogenen Gruppe zugeordnet. Sie werden dann nicht mehr als individuelle Personen mit eigenen Fähigkeiten, Interessen und Lebensgeschichten wahrgenommen, sondern als Teil einer Gruppe, die pauschal bewertet wird.
Familismus
Familismus ist ein wertorientiertes Familienbild, das eine traditionelle, meist heterosexuelle Kleinfamilie (Mutter, Vater, Kinder) als grundlegende Einheit der Gesellschaft idealisiert. In antifeministischen Kontexten wird diese Vorstellung oft als „naturgegeben“ dargestellt und gegen die Pluralisierung von Familienmodellen oder selbstbestimmte Lebensentwürfe gesetzt. Familismus betont häufig feste Rollenbilder, in denen Frauen vorrangig für Haushalt und Kinder verantwortlich sein sollen.
Weltweit gibt es Familismus-Bewegungen, darunter sogenannte „Lebensschutz“-Netzwerke wie „CitizenGO“ oder „Tradition, Familie, Privateigentum“ (TFP). Sie vertreten die Ideologie einer biologischen, „natürlichen“ binären Geschlechterordnung und unterstützen gezielt Organisationen, um ihre konservativen Familien- und Geschlechtervorstellungen international zu verbreiten.
Faschismus
Faschismus bezeichnet eine extrem autoritäre politische Ideologie. Kennzeichnend ist ein radikaler Nationalismus, der eine angebliche „Wiedergeburt“ der Nation verspricht. Um dieses Ziel zu erreichen, werden Gewalt, Unterdrückung, „innere Säuberungen“ und häufig auch Expansion nach außen als legitim angesehen. Faschismus richtet sich gegen Demokratie, Menschenrechte und politische wie gesellschaftliche Vielfalt.
Historischer Antisemitismus
Antisemitische Einstellungen lassen sich historisch bis in die Antike zurückverfolgen. Mit der Entstehung des Christentums wurden jüdische Menschen teils abgewertet und fälschlicherweise für die Kreuzigung Jesu verantwortlich gemacht. Dieser religiös, christlich begründete Antisemitismus wird auch Antijudaismus genannt.
Im Mittelalter wurden jüdische Menschen ausgegrenzt und verfolgt. Christliche und jüdische Menschen durften nicht untereinander heiraten. Es kursierten Verschwörungserzählungen, etwa dass jüdische Menschen Brunnen vergiftet hätten, um christliche Kinder zu töten, oder ihr Blut trinken würden. Solche diffamierenden Darstellungen fanden sich auch in Skulpturen und Bildern, etwa der sogenannten „Judensau“. Ein verbreitetes Vorurteil ist zudem, jüdische Menschen seien grundsätzlich reich. Dieses Klischee geht teilweise auf das Mittelalter zurück, als jüdischen Menschen viele Berufe verboten waren und ihnen oft nur Tätigkeiten im Geldverleih blieben. Tatsächlich leben heute viele jüdische Menschen in Deutschland ganz unterschiedliche Lebensrealitäten und sind keineswegs alle wohlhabend.
Auch für die Pest wurden jüdische Menschen fälschlicherweise verantwortlich gemacht. Diese Narrative wiederholen sich in der Geschichte: Während der Covid-19-Pandemie kursierten etwa Verschwörungserzählungen, das Virus sei eine gezielte Biowaffe Israels. Daran zeigt sich, wie alte antisemitische Muster an neue Ereignisse angepasst werden.
Vor der Zeit des Nationalsozialismus gab es während der Weimarer Republik rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Teilhabe für jüdische Menschen in Deutschland. Mit Artikel 136 der Weimarer Reichsverfassung wurden jüdische Menschen mit christlichen formal gleichgestellt – ihre Religion durfte den Zugang zu Staatsämtern oder bürgerlichen Rechten nicht mehr beschränken. Viele deutsche Jüdinnen und Juden setzten damit große Hoffnungen in Anerkennung und Zugehörigkeit. Sie trugen wesentlich zu Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Architektur bei und waren in vielen Bereichen der Gesellschaft integriert. Trotz ihres geringen Anteils von etwa einem Prozent der Bevölkerung waren sie sichtbar und in der Gesellschaft aktiv. Gleichzeitig blieb der Antisemitismus stark: Er organisierte sich in rechtsextremen Gruppen und Parteien, wodurch die Zugehörigkeit jüdischer Menschen zur Gesellschaft zunehmend in Frage gestellt wurde.
Illiberalismus
Illiberalismus beschreibt politische Systeme, die formal demokratisch wirken, aber liberale Grundwerte wie Gewaltenteilung, Minderheitenschutz oder Pressefreiheit abbauen. Illiberale Politik beruft sich auf den Volkswillen, schwächt jedoch gezielt rechtsstaatliche Strukturen. Ziel ist eine stark national ausgerichtete Politik, die kulturelle Einheit betont. Ein oft genanntes Beispiel aus EU ist die Politik des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán.
Islamismus
Islamismus bezeichnet eine Form des politischen Extremismus und ist eine Sammelbezeichnung für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islam die Errichtung einer religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben. Er basiert auf der Überzeugung, dass der Islam nicht nur das individuelle, sondern auch das gesellschaftliche und politische Leben bestimmen soll. Dies bedeutet die Ablehnung von Volkssouveränität, Trennung von Staat und Religion, Meinungsfreiheit, Menschenrechten und Pluralismus – und damit eine grundsätzliche Unvereinbarkeit mit dem Grundgesetz.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus: Der Islam ist eine Weltreligion mit über einer Milliarde Gläubigen, von denen die überwiegende Mehrheit islamistische Positionen ablehnt. Islamisten vertreten dabei eine mögliche, aber nicht die einzige Deutung des Islam. Aus demokratietheoretischer Sicht ist der Islamismus grundsätzlich problematisch, unabhängig davon, ob eine Strömung Gewalt einsetzt oder nicht.
Nicht alle islamistischen Strömungen setzen Gewalt ein. Das Spektrum reicht von Organisationen, die durch politische oder soziale Einflussnahme langfristig eine islamkonforme Gesellschaftsordnung anstreben – etwa Gruppierungen mit Nähe zur Muslimbruderschaft –, bis hin zu jihadistischen Terrororganisationen wie dem „Islamischen Staat" (IS) oder al-Qaida, die Gewalt als unverzichtbares Mittel betrachten. Eine besonders dynamische und radikale Strömung ist der Salafismus, der auf einer wortgetreuen Auslegung von Koran und Sunna besteht und einen Exklusivitätsanspruch als einzig „wahre" Muslime erhebt. Antisemitismus ist ein wesentliches ideologisches Element aller islamistischen Strömungen.
Israelbezogener Antisemitismus
Eine Form des Antisemitismus ist die Holocaustleugnung, also das Bestreiten oder Verharmlosen der Shoah. Dazu gehört auch, Israel mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen, wodurch die Shoah verharmlost wird. Solche Darstellungen können sich in Bildern zeigen, etwa wenn ein Hakenkreuz mit einem blutigen Davidstern kombiniert wird, oder wenn das Existenzrecht Israels bestritten wird.
Der Staat Israel wurde 1948 nach der Shoah gegründet. Er versteht sich als jüdischer Staat, in dem aber auch Menschen anderer Religionen und Kulturen leben. Viele Überlebende der Shoah sowie jüdische Menschen aus Europa und arabischen Ländern wanderten nach Israel aus. Die Idee eines jüdischen Staates als sicheren Ort für Jüdinnen und Juden wird Zionismus genannt. Der Begriff leitet sich vom Berg Zion bei Jerusalem ab.
Israelbezogener Antisemitismus liegt vor, wenn jüdische Menschen weltweit für das Handeln des Staates Israel verantwortlich gemacht werden – auch dann, wenn sie keinen Bezug zu Israel haben. Auch Narrative wie „Kindermörder“ oder die Verwendung antisemitischer Codes in Bezug auf Israel können Formen israelbezogenen Antisemitismus sein.
Bis heute wird das Wort „Jude“ manchmal als Schimpfwort verwendet – auch das ist antisemitische Sprache. Auch wenn das Wort „jüdisch“ nicht immer explizit genannt wird, können Begriffe wie „Globalisten“, „George Soros“ oder „Rothschilds“ in bestimmten Kontexten als antisemitische Codes verwendet werden.
Antisemitismus in sozialen Medien
Antisemitismus kann sich auch in sozialen Medien zeigen, etwa durch Emojis oder Bildkombinationen. Beispiele sind:
- das Vampir-Emoji, das jüdische Menschen als „Blutsauger“ darstellen soll,
- der Geldsack, der das Vorurteil vom Reichtum transportiert,
- die Kombination aus Nase und Israel-Flagge als Anspielung auf stereotype Darstellungen.
Auch die Israel-Flagge in Verbindung mit abwertenden Symbolen kann antisemitisch gemeint sein. Wichtig ist jedoch immer der Kontext: Ein Vampir-Emoji in einem Beitrag über einen Film ist nicht automatisch antisemitisch.
Linksextremismus
Der Begriff „Linksextremismus“ umfasst unterschiedliche Bestrebungen, die sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung richten und vor allem in Strömungen des Anarchismus und Kommunismus zum Ausdruck kommen. Linksextremistische Akteurinnen und Akteure betrachten die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung – häufig als „Kapitalismus“ oder „Obrigkeitsstaat“ bezeichnet – als Ursache gesellschaftlicher Missstände und streben deren radikale Abschaffung an. Ihr Ziel ist zunächst die Errichtung einer sozialistischen Ordnung und langfristig eines kommunistischen Systems. Gewalt wird dabei in Teilen als legitim angesehen, um politische Ziele durchzusetzen.
Neonazismus
Neonazismus bezeichnet Gruppierungen und Ideologien, die sich auf den Nationalsozialismus beziehen – auf seine Weltanschauung, Symbole und historischen Akteure. Seit den 1970er-Jahren ist der Neonazismus eine eigenständige Strömung in der Bundesrepublik Deutschland. Besonders sichtbar wurde er ab den 1990er-Jahren durch öffentliche Aufmärsche und später durch digitale Netzwerke und Propaganda, wie „N.S. heute“.
Neue Rechte
Die Neue Rechte grenzt sich offiziell vom Nationalsozialismus ab und greift stattdessen auf antidemokratische Ideen früherer rechter Akteure zurück, etwa aus der Zeit der Weimarer Republik. Ihr zentrales Ziel ist die sogenannte „Metapolitik“: Sie will Kultur, Sprache und Denken langfristig verändern, um nationalistische, rassistische und antisemitische Vorstellungen gesellschaftsfähig zu machen. Dabei werden positiv besetzte Begriffe wie „Freiheit“ gezielt antidemokratisch umgedeutet. Sie vertreten ein homogenes völkisches Weltbild als gesellschaftliche Norm. Darunter fallen auch traditionelle Rollenbildern für Familie durch feste Geschlechtszuschreibungen.
Queerfeindlichkeit
Der Begriff Queerfeindlichkeit beschreibt die Abneigung, Abwertung oder Feindseligkeit gegenüber queeren Menschen, also Personen, die sich nicht in die klassischen Kategorien „männlich” oder „weiblich” bzw. heterosexuell einordnen lassen. Queerfeindlichkeit gegenüber lesbischen, schwulen, trans, bi- und asexuellen Menschen kann sich in Vorurteilen, Ablehnung, Diskriminierung bis hin zu Gewalttaten oder Verfolgung äußern und ist häufig ein Element antifeministischer und antigender Agenden, die Vielfalt in Bezug auf Geschlecht, Sexualität und Familienkonstellationen ablehnen.
Beispiele für queerfeindliche und antifeministische Bewegungen mit religiösem Extremismus:
- ARC („Alliance for Responsible Citizenship“)
ARC ist ein globales Netzwerk konservativer Gruppen, das traditionelle Werte wie Familie, Religionsfreiheit und Verantwortung betont. In antifeministischen Kontexten tritt die Gruppe häufig als Lobbyorganisation auf, die gegen Abtreibungsrechte, Gleichstellungspolitik und die Anerkennung sexueller Vielfalt mobilisiert. ARC sieht sich selbst als Verteidiger „christlicher Zivilisation“. - Die Gebets-App „Hallow“
„Hallow“ ist eine mobile App für Gebete und Meditationen mit katholischem Fokus. Über die App können Nutzerinnen und Nutzer täglich Andachten, Bibeltexte und Gebete abrufen. Allerdings ist sie zu einem zentralen Onlineforum des religiösen Rechtsextremismus und Queerfeindlichkeit geworden. Viele sehen darin nicht nur ein spirituelles Angebot, sondern auch ein Medium, das konservative Glaubensinhalte und politische Positionen transportieren kann – insbesondere, wenn Investoren aus dem rechtskonservativen Spektrum hinter der App stehen. - TFP („Tradition, Familie, Privateigentum“)
„TFP“ propagiert ein konservatives Gesellschaftsbild, das stark auf traditionellen Geschlechterrollen, Bibel‑basierten Werten und engen Familienstrukturen basiert. In mehreren Ländern unterstützt sie Kampagnen gegen Abtreibungsrechte, LGBTQI+‑Rechte und staatliche Gleichstellungspolitik. - „CitizenGO“
„CitizenGO“ ist ein globales Internet‑Aktivismus‑Netzwerk, das politische Petitionenkampagnen organisiert. CitizenGo vertritt vor allem konservative Positionen zu Themen wie Ehe, Abtreibung und Familienpolitik und lobbyieren gegen Selbstbestimmungsgesetze. Sie ruft weltweit zu Online‑Petitionen auf, um etwa gleichgeschlechtliche Ehen oder Zugang zu reproduktiven Rechten zu illegalisieren.
Rassismus
Rassismus ist eine Herrschaftsideologie. Die Idee von „Menschenrassen“, die sich an Einteilungen aus der Tier- und Pflanzenwelt orientierte, entstand in der Kolonialzeit, um die Ausbeutung und Unterdrückung rassifizierte Menschen zu rechtfertigen und die Herrschaft der europäischen Kolonialmächte zu sichern. Rassismus ist deshalb kein Randphänomen, sondern eng mit der Entstehung der modernen Welt verbunden: Viele Strukturen der Gegenwart – etwa Nationalstaaten, Kapitalismus und globale Machtordnungen – entwickelten sich in Zeiten, in denen rassistische Ideologien weit verbreitet waren.
Im Kern geht es bei Rassismus um Herrschaft und Hierarchie. Er teilt Menschen in Gruppen ein, wertet einige ab und andere auf, wodurch ein Gefühl von Zugehörigkeit und Überlegenheit in der eigenen Gruppe entstehen kann. Rassismus kann so Selbstwert durch Abwertung anderer erzeugen.
Wichtig ist: Soziale Ungleichheit ist nicht naturgegeben, es gibt keine biologischen Menschenrassen. Unterschiede in Lebensbedingungen und Chancen entstehen durch gesellschaftliche Strukturen und Entscheidungen, nicht durch „biologische“ Unterschiede. Rassismus trägt dazu bei, solche Ungleichheiten zu rechtfertigen oder zu verstärken.
Ein zentraler Mechanismus ist das sogenannte Othering („Veranderung“): Menschen werden zu „Fremden“ gemacht und als grundsätzlich anders dargestellt. Damit gehen oft Vorurteile einher – also negative Zuschreibungen gegenüber einer Gruppe. Wenn solche Vorurteile das Denken prägen, spricht man von „Bias“. Werden sie in Handlungen umgesetzt, kann daraus Diskriminierung entstehen.
Eine Handlung gilt als rassistisch diskriminierend, wenn Menschen aufgrund von Merkmalen wie Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Staatsangehörigkeit gruppenbezogene Eigenschaften zugeschrieben werden und diese Zuschreibungen zu Abwertung und Ausgrenzung führen. Rassistische Diskriminierung verläuft oft in einem Prozess:
Kategorisierung → Abwertung → Ausgrenzung.
Rassismus zeigt sich nicht nur in offenen Beleidigungen oder Gewalt. Es gibt auch rassistischen Kulturalismus, der ohne den Begriff „Rasse“ auskommt, aber Menschen etwa aufgrund von Herkunft, Religion, Sprache oder Kultur pauschal einer Gruppe zuordnet und diese abwertet. In Deutschland verläuft Rassismus häufig entlang von Fragen der Zugehörigkeit („Wer gilt als deutsch?“), der Abstammung (Deutschsein versus vermeintlich nicht-deutsche Abstammung) und sichtbarer oder hörbarer Unterschiede wie Hautfarbe oder Akzent.
Entscheidend ist: Rassismus wird an seinen Wirkungen erkannt, nicht an der Intention. Auch ohne böse Absicht können Handlungen oder Strukturen rassistische Folgen haben. Rassismus ist daher kein „natürliches“ Verhalten, sondern ein gesellschaftlich erlerntes Denksystem. Er kann Ängste bündeln, Orientierung bieten und Identität stiften – indem er Menschen in Hierarchien einordnet. Gerade deshalb ist es wichtig, seine Mechanismen zu verstehen und ihm bewusst entgegenzuwirken.
Entscheidend ist außerdem der Zusammenhang mit Machtverhältnissen. Rassismus wirkt vor allem dort, wo Gruppen strukturell dominieren und andere weniger Zugang zu Ressourcen, Einfluss oder gesellschaftlichen Positionen haben. Dominanz zeigt sich etwa in Einkommens-, Eigentums- oder Klassenstrukturen sowie darin, wer wichtige gesellschaftliche Positionen besetzt und Entscheidungen trifft. Einzelne weiße Menschen können zwar auch ungerecht behandelt werden, doch sie werden nicht aufgrund der weißen Hautfarbe von Rassismus betroffen sein. Denn von Rassismus spricht man vor allem, wenn Ungleichbehandlung systematisch ist und mit bestehenden Machtstrukturen zusammenhängt. Rassistische Denk- und Handlungsmuster reproduzieren sich dadurch immer wieder in gesellschaftlichen Institutionen.
Auch Institutionen können rassistische Effekte haben, selbst wenn einzelne Personen innerhalb ihrer Struktur keine diskriminierende Absicht haben. Man spricht dann von institutionellem Rassismus. Ein Beispiel ist das Bildungssystem: Schule ist eine zentrale Instanz für Lebenschancen, gleichzeitig aber stark reglementiert. Kinder und Jugendliche sind ihr weitgehend ausgeliefert, externe Kontrolle ist begrenzt und Beschwerdemöglichkeiten sind oft gering, denn Kinder, die von ihren Lehrkräften Rassismus erfahren, haben in der Regel nicht die Möglichkeit eine andere Lehrkraft zu wählen. Dadurch können Benachteiligungen schwer sichtbar gemacht werden und sich langfristig auf Bildungswege auswirken.
Rassismus zeigt sich also nicht nur in individuellen Einstellungen, sondern vor allem in Wirkungen, Strukturen und Machtverhältnissen. Ihn zu erkennen bedeutet, auf die Folgen von Handlungen und Regeln zu schauen – und darauf, wie Ungleichheit gesellschaftlich hergestellt und aufrechterhalten wird.
Beispiele für Rassismus in sozialen Medien
Rassismus zeigt sich in sozialen Medien auf viele Arten, Beispiele sind:
- Abwertende Kommentare, Posts oder Hashtags über Herkunft, Hautfarbe oder Religion. In diesem Kontext steht der Affe als entmenschlichendes Symbol, das auf historische Bezüge zur Sklaverei verweist, in der Schwarze Menschen als „primitiv“ abgewertet wurden. Wichtig ist jedoch: Ein Affen-Emoji ist nicht automatisch rassistisch. Entscheidend ist der Kontext, etwa ob zusätzlich rassistische Sprache verwendet wird. Manche Affen-Emojis, wie der Affe, der sich die Augen verdeckt 🙈, sind in der deutschen Onlinesprache weit verbreitet und werden humorvoll oder als Zeichen von Verlegenheit bzw. Scham genutzt, ohne rassistische Absicht. Solche Beispiele zeigen sowohl individuellen Rassismus als auch kulturellen Rassismus, weil sie in der Art und Weise, wie wir kommunizieren, verankert sind.
- Gegenbewegungen zu „Black Lives Matter“ (BLM): „White Lives Matter“, die die Idee „weißer Überlegenheit“ über soziale Medien verbreiten.
- Rassismus kann sich auch systemisch zeigen, z. B. in Algorithmen, Codes oder automatisierten Plattformentscheidungen, die bestimmte Gruppen benachteiligen oder verstärkt diskriminierende Inhalte verbreiten.
Rechtsaußen
Der Begriff „Rechtsaußen“ ist eine begriffliche Klammer. Er bezeichnet alle Parteien, Gruppen und Bewegungen, die rechts von konservativen Parteien stehen. Gemeint sind sehr unterschiedliche Akteure, die eine gemeinsame Grundhaltung teilen: Sie lehnen zentrale Elemente einer diversen, pluralistischen Gesellschaft ab, oder stellen sie zumindest infrage.
Rechtsextremismus
Rechtsextremismus beschreibt politische Einstellungen, Gruppen und Handlungen, die demokratiefeindlich sind. Sie gehen von der Vorstellung aus, dass Menschen nicht gleichwertig sind – etwa aufgrund ihrer Herkunft, Geschlecht oder Religion. Das widerspricht dem Grundprinzip der Menschenrechte. Rechtsextreme Ideologien lehnen Gleichheit, Vielfalt und demokratische Mitbestimmung grundsätzlich ab und rechtfertigen Ausgrenzung oder Gewalt.
Der Ausdruck „extreme Rechte“ wird oft bewusst verwendet, um nicht nur offen rechtsextreme Gruppen zu benennen, sondern auch andere radikale rechte Strömungen einzubeziehen. „Extrem rechts“ meint politische Positionen, die gesellschaftliche Ungleichheit als natürlich und normal ansehen und die damit verbundenen demokratiefeindliche Haltungen und Ideologien, die Menschen in „wertvoll“ und „ungleichwertig“ einteilen.
Rechtspopulismus
Rechtspopulismus ist weniger eine feste Ideologie als ein politischer Stil. Er arbeitet mit starker Polarisierung: hier das „wahre Volk“, dort die „korrupte Elite“. Populistische Akteure behaupten, allein den „Wunsch des Volkes“ zu vertreten. Typisch sind einfache Antworten auf komplexe Probleme, provokante Tabubrüche, eine bewusst volkstümliche Sprache und die Selbstdarstellung oder Inszenierung als Opfer. Im Rechtspopulismus gelten Menschen mit Flucht- oder Migrationsbiografie, Angehörige von Minderheiten als Bedrohung – nach außen wie nach innen. Eliten werden wiederum dafür kritisiert, diese zu fördern und davon zu profitieren.
Reichsbürger und Selbstverwalter
Unter der Bezeichnung „Reichsbürger" und „Selbstverwalter" fasst der Verfassungsschutz Gruppierungen und Einzelpersonen zusammen, die das Grundgesetz, die Bundesrepublik Deutschland und deren Rechtssystem nicht anerkennen. Reichsbürgerinnen und Reichsbürger berufen sich auf das Fortbestehen eines historischen deutschen Reichs, Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter erfinden Fantasiestaaten und beanspruchen ein von der Bundesrepublik unabhängiges Territorium. Da sie die Staatlichkeit der Bundesrepublik grundlegend bestreiten, verstehen sie sich als außerhalb der Rechtsordnung stehend und lehnen jegliches staatliches Handeln ab.
Die Aktivitäten richten sich explizit gegen den Staat und seine Repräsentantinnen und Repräsentanten – von umfangreichen Eingaben an Behörden um bürokratische Prozesse zu blockieren bis hin zu Angriffen auf Polizistinnen und Polizisten oder Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher. Die Szene weist zudem eine ausgeprägte Waffenaffinität auf, bei staatlichen Maßnahmen gegen Reichsbürgerinnen und Reichsbürger sowie Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter werden immer wieder Waffen und Sprengmittel sichergestellt. In Teilen sind antisemitische, rassistische und nationalistische Argumentationsmuster feststellbar, die Schnittmengen zum Rechtsextremismus aufweisen.
Shoah
„Shoah“ (hebräisch für „große Katastrophe“) ist die jüdische Bezeichnung für den Holocaust, also den nationalsozialistischen Völkermord an den europäischen Jüdinnen und Juden von 1933 bis 1945. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der sogenannte „Judenstern“ eingeführt: ein gelber Davidstern mit der Aufschrift „Jude“, den jüdische Menschen sichtbar auf ihrer Kleidung tragen mussten. Damit wurden sie stigmatisiert, aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen und etwa von Schulen und Berufen verdrängt. Die gewaltsame Verfolgung jüdischer Menschen wird als Pogrom bezeichnet. Pogrome gab es im Laufe der Geschichte immer wieder, etwa auch im nationalsozialistischen Deutschland, besonders in der Pogromnacht vom 9. November 1938. Der Begriff bedeutet übersetzt „Verwüstung“.
Transfreindlichkeit
Transfeindlichkeit bezeichnet Vorurteile, Abwertung und Diskriminierung gegenüber trans* Personen – also Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht oder nicht vollständig mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Der Begriff umfasst sowohl individuelle Einstellungen und Handlungen als auch strukturelle und institutionelle Formen der Benachteiligung.
Transfeindlichkeit ist ein Element der Queerfeindlichkeit und der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Sie beruht auf der Ablehnung von Geschlechtervielfalt und der Vorstellung, Geschlecht sei ausschließlich binär und unveränderlich. Antigender- und antifeministische Bewegungen instrumentalisieren transfeindliche Positionen gezielt, um Rechte von trans* Personen einzuschränken und gesellschaftliche Gleichstellung zu verhindern.
Transnationale Vernetzung
Unabhängig von nationalen Unterschieden vernetzen sich viele rechtsaußen Akteure zunehmend über Ländergrenzen hinweg. Sie tauschen Strategien, Ideologien und Kommunikationsformen aus, etwa auf Konferenzen oder über digitale Kommunikationskanäle, und unterstützen sich gegenseitig. Diese internationale Zusammenarbeit macht rechtsaußen Bewegungen widerstandsfähiger und politisch einflussreicher – auf lokaler, nationaler und globaler Ebene.
Ultranationalismus
Ultranationalismus bezeichnet die extreme Überhöhung der eigenen Nation bei gleichzeitiger Abwertung anderer Nationen und Bevölkerungsgruppen. Er bildet einen zentralen Bestandteil rechtsextremer Ideologien und geht weit über gemäßigten Nationalismus hinaus: Die Nation wird zum absoluten Wert erklärt, dem sich alles andere unterzuordnen hat.
Ultranationalismus verbindet sich typischerweise mit einem ethnisch-völkischen Nationsverständnis, das Minderheiten unter Generalverdacht stellt und Pluralismus ablehnt. Gewalt gegen vermeintliche „innere Feinde" wird als legitimes Mittel zur Verteidigung der Nation betrachtet. In manchen Ausprägungen werden auch territoriale Ansprüche gegenüber anderen Staaten erhoben und gewaltsam durchgesetzt. Autoritäre Herrschaftsformen werden in diesem Weltbild aktiv angestrebt oder zumindest als notwendig gerechtfertigt.
Ultranationalismus tritt heute weltweit auf – etwa in Form der türkisch-nationalistischen Bewegung der Grauen Wölfe oder als ideologische Grundlage des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.
Verschwörungserzählungen
Verschwörungserzählungen behaupten, dass geheime, mächtige Gruppen im Verborgenen zentrale Ereignisse oder gesellschaftliche Entwicklungen steuern. Zufälle, Krisen oder komplexe politische Prozesse werden dabei nicht als vielschichtig oder widersprüchlich verstanden, sondern als Ergebnis eines geheimen Plans gedeutet.
Zu Basiswissen