NinA NRW ist eine zivilgesellschaftliche Ausstiegs- und Distanzierungsberatungsstelle im Kontext Rechtsextremismus. Sie bietet sozialpädagogische Einzelfallhilfe und unterstützt bei unterschiedlichen Schwierigkeiten im Ausstiegsprozess. Die Ausstiegsberatung richtet sich primär an Personen mit extrem rechten Einstellungen. Manche haben eine Anbindung an Strukturen oder Gruppierungen, andere nicht.
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Mal angenommen, ich teile rechtsextreme Gedanken, verbreite Verschwörungserzählungen und möchte mich von beidem distanzieren. Wie komme ich als ausstiegswillige Person zu NinA NRW in die Beratung – und was erwartet mich dann?
Wie kommt man zu uns? Man kann sich unverbindlich per E-Mail oder telefonisch, zunächst auch anonym, bei uns melden und sich informieren: Sind wir überhaupt die richtige Ansprechstelle?
Häufig haben Menschen, die sich bei uns melden, noch gar kein konkretes Anliegen. Es kann sein, dass eine Person erst einmal überlegen und sortieren will: Ist das etwas für mich? Wie kann ich dabei unterstützt werden?
Dann bieten wir ein unverbindliches Erstgespräch an. Dazu vereinbaren wir einen Termin und suchen einen neutralen und geschützten Raum, der sich in der Nähe des Wohnortes der beratungsnehmenden Person befindet und für sie gut erreichbar ist. Es kann auch ein Ort oder eine Stadt weiter sein, wenn die Person sich dort wohler fühlt. Dort führen wir ein etwa anderthalbstündiges Erstgespräch.
Wir kommen immer zu zweit, beraten also immer in einem Tandem. Das Tandem bleibt während des gesamten Beratungsprozesses gleich und wird nicht durchgewechselt.
Zu Beginn steht natürlich das Kennenlernen im Vordergrund – also eine Beziehung aufzubauen und Vertrauen entstehen zu lassen. Dann geht es um ein gemeinsames Erkunden: Was ist das Anliegen? Oder was könnte das Anliegen sein?
Nach dem Erstgespräch kann es noch weitere unverbindliche Gespräche geben, um zu schauen: Was könnten Ziele für mich sein? Woran möchte ich arbeiten? Was beschäftigt mich in meinem Alltag? Welche Sorgen treiben mich? Und wie kann ich mich von dem, was mich beschäftigt oder mir vielleicht auch Probleme bereitet, lösen – wenn es um Ideologie und Verschwörungserzählungen geht?
Nach ein paar Gesprächen vereinbaren wir, ob ein Beratungsprozess eingegangen wird oder eben nicht. Dann geht es auch um Fragen wie: Wie oft treffen wir uns? Was soll noch zum Thema gemacht werden?
Im Verlauf der Beratung können noch viele andere Themen aufkommen. Es kann auf die Lebensgeschichte geschaut werden, auf mögliche Auslöser und auf den Prozess des „So-geworden-Seins“. Wir nutzen häufig offene Fragen und verschiedene Methoden. Die Inhalte werden von den Beratungsnehmenden aktiv mitgestaltet und der Ablauf ist stets individuell. Wir haben da kein Schema F und geben den Prozess auch nicht vor.
Mal angenommen, ich bin schon lange Teil des Milieus, bin richtig vernetzt und verwurzelt und entschließe mich nun, Abstand zu nehmen. Das ist für mich mit Sorge und auch Angst verbunden. Wie kann NinA NRW meine Sicherheit gewährleisten, wenn ich in die Beratung komme?
Das funktioniert auf unterschiedlichen Ebenen. Wenn man schon organisiert ist, beispielsweise in einer Struktur, dann schauen wir gemeinsam darauf: Wie könnte ein Ausstieg beziehungsweise ein Ausstiegsprozess aus solchen Strukturen ablaufen?
Dabei geht es darum, sich selbst möglichst wenig zu gefährden. Wir machen gemeinsam eine Art Gefährdungsanalyse und schauen: Wo sind eigentlich Bereiche, in denen ich Sorge vor Bedrohungen oder Angriffen habe? Und was kann man tun, wie kann man sich selbst schützen? Das erarbeiten wir individuell.
Wenn man auf Ideologie und Verschwörungserzählungen schaut, haben diese natürlich auch Funktionen für einen selbst als Person. Sie können Stabilität und Sicherheit geben. Deshalb schauen wir, dass wir behutsam vorgehen und niemanden in eine Situation bringen, die ihn oder sie total überfordert. Schritt für Schritt und immer auch mit Blick darauf: Wie möchte die Person weitergehen? Und – das ist vielleicht ganz wichtig zu wissen – es geht nicht darum, dass wir als Beratende wissen, was das Richtige ist, oder vorgeben, was das Richtige sein sollte. Wir nähern uns den Themen mit offenen Fragen und mit Fragen, die zum Nachdenken und Reflektieren anregen sollen. Allein die Bereitschaft, sich mit den Themen auseinanderzusetzen, reicht also aus, um sich bei uns zu melden.
Allein die Bereitschaft, sich mit den Themen auseinanderzusetzen, reicht also aus, um sich bei uns zu melden.
NinA NRW
Wie lange dauert so ein Beratungsprozess?
Die Prozesse sind sehr individuell.
Bei jüngeren Menschen sind die Distanzierungsprozesse teilweise kürzer, weil sich Einstellungen und Lebenssituationen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mitunter schneller verändern. Das ist natürlich nicht immer der Fall.
Insgesamt können Ausstiegs- und Distanzierungsberatungsprozesse mehrere Monate, aber auch mehrere Jahre dauern. Sie sind offen angelegt. Wir entscheiden nicht, wann es „genug“ ist. Es gibt zwar Kriterien für einen erfolgreichen Ausstieg, die auch in der Bundesarbeitsgemeinschaft "Austieg zum EInstieg" geteilt werden. Letztlich entscheidet aber die beratungsnehmende Person mit, wann der Prozess für sie abgeschlossen ist.