10.06.2026 KI-Bilder vom Holocaust: Eine Gefahr für Erinnerung und Geschichte
Wie verändert KI unser Erinnern an den Holocaust? Immer häufiger verbreiten sich auf sozialen Medien täuschend echte Bilder und Videos, die historische Ereignisse verfälschen oder emotional inszenieren. Der Beitrag erklärt, warum Historikerinnen und Historiker davor warnen und welche Folgen solche Inhalte für Erinnerungskultur und Geschichtsverständnis haben können.
Auf den sozialen Medien verbreiten sich immer häufiger KI-generierte Bilder und Videos vom Holocaust. Diese Inhalte wirken oft täuschend echt – sind aber frei erfunden. Das ist problematisch, denn sie können ein verzerrtes und verfälschendes Geschichtsbild fördern. Manche Darstellungen vermitteln beispielsweise den Eindruck, es habe vor allem viele deutsche Opfer gegeben. In solchen Darstellungen werden die tatsächlichen Opferzahlen verschwiegen und, dass unter den Opfern vor allem jüdische Menschen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, oder sowjetische Menschen waren. Andere Bilder zeigen den Holocaust in einem kitschigen, weichgezeichneten Instagram-Stil– oft mit dem Ziel, Klicks, Reichweite und Profit zu machen.
Historiker und Historikerinnen warnen vor den Folgen für unser Geschichtsverständnis. Wenn wir nicht mehr sicher unterscheiden können, ob Bilder echt oder manipuliert sind, beginnen wir auch echte historische Quellen zu hinterfragen. Dieses Phänomen wird als „Lügnerdividende“ bezeichnet: Selbst, wenn eine Fälschung später aufgedeckt wird, bleibt der erste – meist visuelle – Eindruck im Gedächtnis. Gerade beim Gedenken und Erinnern an den Holocaust ist das besonders gefährlich.
Mehr als 30 KZ-Gedenkstätten haben deshalb in einem offenen Brief klare Regeln für den Umgang mit KI gefordert. Sie verlangen eine verpflichtende Kennzeichnung von KI-Bildern und -Videos. Ohne solche Regeln droht eine Verzerrung historischer Tatsachen – mit gravierenden Folgen für Erinnerungspolitik, Gedenkkultur und das kollektive Gedächtnis.